Impressionen

2. Münchner Schimmelpilzkonferenz: Untersuchen, bewerten, sanieren

Zum zweiten Mal gastierte die in Berlin etablierte Schimmelpilzkonferenz mit ihrem Programm am 24. September 2019 auch in München. Was sind wesentliche Erkenntnisse der 2. Münchner Schimmelpilzkonferenz?

Dr. Christoph Trautmann berichtete über eine Studie, die die Labore Umweltmykologie Dr. Dill und Dr. Trautmann sowie Labor Urbanus gemeinsam durchgeführt haben. In dieser Studie wurde mit statistischen Methoden ein Vorschlag erarbeitet, bei welchen Konzentrationen für häufige Materialien wie EPS-Dämmstoffe und Putze eine übliche Hintergrundbelastung vorliegt und ab wann man von einer Besiedlung mit Schimmelpilzen ausgehen muss. Die Ergebnisse bestätigen von der Tendenz her, die im Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes aufgeführten Differenzierungswerte. Trautmann zeigte, wie die im Labor gewonnen Werte zu interpretieren sind und welche weiteren Parameter in die Bewertung einfließen sollten.

Einen eigenen Weg beschritten

Einen eigenen Weg der Schimmelsanierung, der nicht den Ausführungen des UBA-Schimmelleitfadens folgt, stellte Dr. Alexander Berg vor. Seine Grundüberlegung ist, dass der Erfolg einer Schimmelsanierung nur anhand der Hintergrundwerte von Baustoffen und Bauteilen im gleichen Gebäude beurteilt werden kann, die nicht von einem Feuchteschaden betroffen sind. Dabei zeigte sich, dass manche Bauarten – wie auf der Rohdecke stehende Trockenbaukonstruktionen – oft bereits Pilzkonzentrationen aufweisen, die nach den Richtwerten des Umweltbundesamtes als Besiedlung einzustufen sind. Im zweiten Teil des Vortrags ging es um keimreduzierende Spülungen in Bodenaufbauten, eine von Dr. Berg entwickelte Desinfektionsmethode, für die er je nach Gegebenheiten Aldehyd/Aldehydabspalter und überwiegend quartäre Ammoniumverbindungen einsetzt. Der Vortrag von Dr. Berg wurde von Teilnehmern teilweise kritisch aufgenommen. So wurde insbesondere angemerkt, dass die Auswirkungen davon, die verwendeten Desinfektionsmittel in das Gebäude einzubringen, nicht eindeutig abzuschätzen seien.

Schon bei der Baustoffwahl einem Befall vorbeugen

Dass Baustoffe und Bauarten Schimmelbefall hemmen oder begünstigen können, zeigte anschließend Dr. Thomas Warscheid. Auf diesen Aspekt wird bislang bei der Baustoffwahl, auch bei Sanierungen, wenig geachtet. Das liegt unter anderem daran, dass es keine verpflichtenden, standardisierten und aussagekräftigen Prüfnormen und -verfahren gibt, die diese Eigenschaften vergleichbar erfassen. Dr. Warscheid zeigte anhand vieler Beispiele, welche Eigenschaften die mikrobielle Resistenz beeinflussen. Zu nennen sind hier vor allem die Neigung Feuchtigkeit aufzunehmen und zu speichern, der pH-Wert und die organischen Bestandteile. So sind etwa Beton, Styropor, Kalkputze und mineralische Anstriche nur wenig anfällig für eine mikrobielle Besiedlung, Gipsanhydrit, Polyurethanschaum, Holzspanplatten und Dispersionsfarben dagegen stark.

Aspergillus Fumigatis steht im Krankenhaus besonders im Fokus

Viele anschauliche Praxisbeispiele hatte Nicole Richardson in ihren Vortrag eingebaut. Besonders interessant war dabei die Sanierung in einem Krankenhaus nach einem Wasserschaden. Aspergillus Fumigatis, der Infektionen auslösen kann, spielt hier als eine Art Leitpilz für die Bewertung eine wichtige Rolle. Im beschriebenen Beispiel einigte man sich darauf, bei der Sanierung nicht nur die Infektionsvermeidung zu berücksichtigen, sondern auch die im UBA-Schimmelleitfaden beschriebenen Mindeststandards für Wohnumgebungen einzuhalten.

Richardson ging auch auf das Problem ein, dass zusätzlich zur mikrobiellen Belastung Gebäudeschadstoffe wie Asbest, PCB, PAK und ähnliches vorliegen können. Dies sei bei der Trocknung und Sanierung auf jeden Fall zu beachten.

 

Dem Schimmelpilz auf der Spur

 Mehr als 100 Teilnehmer besuchten am 21.03.2019 die 9. Schimmelpilzkonferenz in Berlin mit großer, begleitender Fachschau.

„Fehlende Methoden-Standards führen zu unterschiedlichen Ergebnissen“, so Dr. Christoph Trautmann in seinem einleitenden Vortrag. In einer Branche, von der genaue und richtige Ergebnisse verlangt werden und deren (gutachterlichen) Aussagen weitreichende Konsequenzen haben können, ist dies natürlich ein kaum haltbarer Zustand. Viele Vorträge beschäftigen sich daher auch mit den Methoden und Verfahrensweisen bei der Messung und Sanierung von Schimmelpilzbelastung. Dr. Christoph Trautmann gab zum Beispiel in seinem Vortrag einen Überblick über verschiedene Methoden zur Ermittlung eines Schimmelpilzbefalls und stellte eine selbst entwickelte Bewertungshilfe für Schimmelpilz- und Bakterienkonzentrationen in Baumaterialien aus Ergebnissen eigener Routineproben vor.

Prof. Dr. Thomas Juch beendete die Veranstaltung mit einem Blick über den Tellerrand: Er sprach über die Ansprüche an eine funktionierende Wohnungslüftung aus hygienischer und energetischer Sicht.

Dies waren jedoch nur zwei von insgesamt sieben spannenden Vorträgen, die wir Ende September in München noch einmal wiederholen werden.

 

1. Münchner Schimmelpilzkonferenz war ausgebucht

Erstmals fand die Schimmelpilzkonferenz, die bereits achtmal in Berlin ausgerichtet worden ist, am 25. September 2018 auch in München statt. Das Programm war dasselbe wie im März dieses Jahres in Berlin. Trotzdem nutzten viele Teilnehmer aus Süddeutschland erstmals die Chance, an dieser Veranstaltung teilzunehmen.

Ihnen war der Weg nach Berlin bislang zu weit. Mit 120 Teilnehmern plus den Vertretern der 16 Aussteller war die von der Fachzeitschrift B+B BAUEN IM BESTAND und der Mediengruppe Rudolf Müller ausgerichtete 1. Münchner Schimmelpilzkonferenz ausgebucht. Das zeigt, dass das Thema „Schimmelpilze in und an Gebäuden und wie man diese mikrobiellen Schäden sanieren sollte“ weiterhin virulent ist.

Damit Sie sich einen Eindruck von der Veranstaltung machen können, haben wir eine kleine Bildergalerie zusammengestellt.

 

8. Berliner Schimmelpilzkonferenz:
Wer viel weiß, stellt mehr Fragen

Unter welchen Bedingungen ist es vertretbar, mit Schimmel befallene Bauteile gegen genutzte Innenräume abzuschotten, statt sie auszubauen? Dies war eine der zahlreichen Fragen, die auf der 8. Berliner Schimmelpilzkonferenz am Donnerstag, den 14. März lebhaft diskutiert wurden. Weitere Eindrücke finden sich in unserer Bildergalerie.

7. Berliner Schimmelpilzkonferenz:
Kontrovers diskutiert

Am 23. März 2017 gab die 7. Berliner Schimmelpilzkonferenz etwa 230 Teilnehmern und 24 Ausstellern die Gelegenheit, sich am interdisziplinären und teilweise kontroversen Dialog zum Thema Schimmelpilze in Gebäuden zu beteiligen. Die Bildergalerie zeigt Eindrücke von der Veranstaltung.

 

6. Berliner Schimmelpilzkonferenz:
Schimmelpilze im Konzentrat

Was bedeuten Schimmelpilze in Innenräumen für Bewohner, Hauseigentümer, Planer und Sanierer? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu erhalten, trafen sich am 17. März 2016 etwa 200 Teilnehmer zur 6. Berliner Schimmelpilzkonferenz.

(Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/ Lukas Papierak)
(Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/ Lukas Papierak)

Im fast bis auf den letzten Platz ausgebuchten Umweltforum Auferstehungskirche bot die 6. Berliner Schimmelpilzkonferenz ein vollgepacktes Programm, das das Thema Schimmelpilze in Innenräumen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete. So wurden am Vormittag die neuen Schimmelleitfäden des Umweltbundesamst vorgestellt, Maßgaben des Arbeitsschutzes und Methoden der korrekten Beprobung besprochen, während es am Nachmittag auch um Praxisbeispiele aus der Vorbeugung und Bekämpfung ging. Wir haben einige Impressionen von der Veranstaltung zusammengestellt.

Alle Abbildungen: B+B BAUEN IM BESTAND/ Lukas Papierak